Schön bunt: Hipster-Pop von Bombay Bicycle Club

von dpa, dpa-infocom, letzte Änderung: 13.09.2011

Indiepop als Spielwiese für vier hippe Jungs: Eine der talentiertesten britischen Bands schlägt mit ihrem dritten Album innerhalb von knapp drei Jahren schon wieder einen stilistischen Haken. Der Bombay Bicycle Club ist definitiv nichts für behäbige Fans.

Schön bunt: Hipster-Pop von Bombay Bicycle Club

Jung und wandelbar: Bombay Bicycle Club.

War das viel gelobte Debüt mit dem Endlos-Titel «I Had The Blues But I Shook Them Loose» (2009) noch eine jugendlich-ungestüme Fingerübung in Schrammel-Pop mit modischen Afro-Einflüssen, so überraschte der Nachfolger «Flaws» (2010) mit einer Wende zum akustisch-zarten Britfolk. Nun also «A Different Kind Of Fix» (Universal): Nach dem Hase-und-Igel-Motto ist das Quartett aus Nord-London schon wieder ganz woanders.

Diesmal dominieren Hall-Gitarren, feindosierte Elektronik-Effekte, Dreampop- und Shoegaze-Elemente sowie eine nicht zu überhörende Verehrung für Robert Smith und The Cure. Aber auch derzeit angesagte US-Bands wie Grizzly Bear oder Animal Collective haben in den Gesangsharmonien des Bombay Bicycle Club ihre Spuren hinterlassen.

Nirgends wird das deutlicher als im treibenden Opener «How Can You Swallow So Much Sleep». Frontmann Jack Steadmans träumerischer Gesang wird von Jamie MacColls flirrenden Gitarren auf Wattewolken gebettet, während Ed Nash (Bass) und ein Schlagzeuger mit dem klangvollen Namen Suren de Saram das solide Rhythmus-Fundament legen.

Eine gewisse Eighties-Fixierung wird im anschließenden «Bad Timing» deutlich. «Your Eyes» erinnert noch am ehesten an die Songs des Debüts, mit dem sich Steadman & Co in der Nähe von Vampire Weekend positionierten. Dabei hört sich das Gesamtergebnis erstaunlicherweise keineswegs epigonal an, sondern schön bunt und abwechslungsreich.

Diese immer noch sehr junge Band versteht es mit ihrem dritten Album über fast 50 Minuten, mit modischen, toll arrangierten und satt produzierten Songs (ganz brillant: die hyperaktive Single «Shuffle») die Spannung zu halten. Auch ein ruhigeres Stück wie «Lights Out, Words Gone» mit seinem entspannten Chillout-Gitarrengroove steht ihnen hervorragend.

Nur mit echten Balladen haben es die Club-Hipster noch nicht so: Das im Falsett gesungene «Still» kann dem gewünschten Vergleich mit Radiohead nicht standhalten und ist eine eher zähe Angelegenheit. Der einzige Stolperer in einem bemerkenswert selbstbewussten und ambitionierten Album einer Band, von der man noch viel erwarten kann. Gern auch weitere stilistische Haken.

Deutschland-Konzerte von Bombay Bicycle Club im November: 21.11. München, 22.11. Berlin, 23.11. Hamburg, 24.11. Düsseldorf, 25.11. Erlangen, 26.11. Dresden.

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