DDR-Ausstellung - In der Mode gab es keine Grenze
Das Vorurteil war lange nicht wegzukriegen: Mode in der DDR, die war doch wie die Häuser dort ? einheitlich grau und am Verrotten.
Eine Leipziger Ausstellung beweist nun das Gegenteil. Zwar lief bis 1990 eine Grenze durch Deutschland, doch in der Mode gab es keine Mauer. Ganz im Gegenteil: Die Kreativität des Ostens lässt den Westen in der Retrospektive alt aussehen.
So gut wie jede Frau besaß eine Nähmaschine, mit der die vom Staat gewollte Uniformität zunichte gemacht wurde. Aus Arbeiterhosen entstanden Röcke, klassische Blusen wurden durch Pailletten, Broschen oder Rüschen zu Einzelteilen. Aus getrockneten Nudeln und ein bisschen Farbe bastelte man sich eine Kette.
Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig widmet dem Thema jetzt die Sonderausstellung ?Malimo & Co. ? Mode in der DDR zwischen Traum und Wirklichkeit?.
Doppelnähte, Applikationen, Knopfleisten ? für die Wirtschaftsplaner des Staates waren solche Dinge mit ihrem Nützlichkeitsdenken nicht vereinbar. Fashion galt in der Ideologie als westlich-dekadenter Luxus und war unerwünscht.
Doch kaum eine Frau möchte sich von einem Funktionär vorschreiben lassen, was sie tragen soll. Und so wurde die Mode in der DDR, was sie im Westen immer seltener war: kreativ.
Die Frauenzeitschrift ?Sybille? ? das Pendant zur westdeutschen ?Brigitte? ? war tonangebend in Sachen DDR-Stil. Die Modestrecken waren zwar schwarz-weiß, doch die Kleider selbst strotzen vor allem in den 70er-Jahren vor Farbe.
Heinz Bormann, dessen Mode nun in Leipzig ausgestellt wird, schuf in Magdeburg eine auch international anerkannte Marke, die sich nicht nur im Schrank der First Lady Lotte Ulbricht wiederfand, sondern in den Katalogen von Neckermann und Quelle. Der ?Spiegel? nannte Bormann ?den roten Dior?.
Heute gebe es viel mehr Gleichförmigkeiten in der Mode als zu DDR-Zeiten, sagen die Initiatoren von ?Malimo & Co?. In bestimmten Altersklassen und Milieus herrsche eine modische Gleichheit, wie es sie in der DDR nie gegeben habe. Trends haben den Geschmack ersetzt.
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Werden Sie Fan von BILD.de-Lifestyle!